MULBERRY SKY: “Who’s There” – Starkes Statement einer aufstrebenden Band

Lang erwartet ist gerade der erste Longplayer “Who’s There” von MULBERRY SKY erschienen. Nach der EP “Knock, Knock” (2020) und verschiedenen Singles in den vergangenen 18 Monaten wurde es Zeit für mehr. Ihren Drive haben sie auf dem Album nicht verloren. Ganz im Gegenteil. Und so wurde auch die Live-Premiere des Albums am Wochenende voller Freude von den Protagonisten aber auch vom Publikum in der Rosenheimer “Black Box” angenommen.

MULBERRY SKY haben ihr Alleinstellungsmerkmal erreicht. Die prägnante Stimme von Sängerin Catherine hört man unter tausend anderen raus. Es ist wie bei vielen Größen im Business, wie z.B. bei Deep Purple mit Ian Gillan oder Nick Cave oder, oder, oder. Die Liste kann mit vielen etablierten Bands erweitert werden.

Das Quartett legt eine Menge Engagement, harte Arbeit und mit Sicherheit auch finanzielles in die Wagschale. Es hat sich aber gelohnt nur für dieses, für mich als Musikfan und Instrumenten-Legasteniker nie zu erfahrende Gefühl einen eigenen physischen Longplayer auf den Markt zu bringen. Das die Band nach der nur in ganz geringer Auflage veröffentlichten CD von “Knock, Knock” genau dies auch zelebriert und genießt, sehen wir an den vielen Social Media Postings. Mit viele Liebe zum Detail und die überspringende Vorfreude auf den Leser nahmen sie ihre Eigenvermarktung selbst in die Hand. So viel Herzblut spiegelt sich auch in verschiedenen Videos zum Album wider.

Mulberry Sky "Who's There"

Neben der Stimme überzeugt das Quartett aber eben auch mit einer starken Weiterentwicklung im musikalischen. Die Songs wirken auf die Band abgestimmt aber eben mit der nötigen Frische und Abwechslungsreichtum. Die Band auf ihr selbstvermarktetes “Image” dem bluesgetränkten Rock zu reduzieren wäre zu einfach. Viel mehr steckt dahinter. Die 14 Songs, der Akustik-Bonus-Song “Stones” befindet sich erstmal nur auf der CD-Version, schaffen entweder einen direkten Draht (z.B. “A Light In The Distance”, “Second Face”, “The Fuckening”, “Hot Hot Thunder”) oder entwickeln sich (“Have You Ever”, “Don’t Kill Me”) mit jedem Hördurchlauf. Bei “Jumped” huldigt Cathy in den ruhigen Passagen der großen Joan Baez. Die kam mir sofort in den Sinn nach den ersten Tönen.

Die laut Inlay-Text unerschrockene Maid Cathy philosophiert gerne mit ihren wagemutigen Herren. Inspiration erhält sie auch durch das aufmerksame Beobachten des Lebens. “‘The Fuckening’ z.B. beschreibt für uns so einen Tag, an dem einfach so gar nichts läuft wie es eigentlich soll. 😉 Die kleinen Dinge im Leben, über die man sich aufregt, die große Maschinerie, in der wir alle gefangen sind und immer weiter dahin trotten”, erzählt Cathy. “Die eigentliche Definition des Begriffs beschreibt eigentlich einen Tag, an dem alles gut läuft – und man nur darauf wartet, dass der große Hammer kommt und etwas so richtig schief läuft.”

Die zwischenzeitliche Härte in einigen Songs steht dieser aufstrebenden Band extrem gut. Die Gitarrenarbeit von Dom Raygun passt wie die berühmte Faust auf’s Auge. Oftmals hört man Riffs heraus, die in die packenden Rocksongs (“Jailbreak Story”) der 70er gepasst hätten. Die Rhythmusfraktion in form von Simon Petrosa (Schlagzeug) und Lucky Lerchl (Bass) sprüht vor Engagement, bereitet einen wunderbar warmherzigen Soundteppich und man bekommt den Eindruck: Hier haben sich vier Musikerinnen und Musiker gefunden, die perfekt miteinander harmonieren und Bock auf mehr haben.

Das, je länger das Album durchläuft, auch mal ein wenig Monotonie auftritt ist bei 14 Songs völlig normal. Ist aber auch ein subjektives Empfinden. Nicht jeder Song setzt sich fest. Fast jede Band “schafft” ihren Sound und wiederholt sich. Niemand kann das musikalische Rad neu erfinden. Aber MULBERRY SKY setzen sich auf ihre eigene Art von Alltagseinerlei ab.

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MULBERRY SKY “Who’s There”

Tracklist

1 A Light In The Distance
2 Second Face
3 The Fuckening
4 Hot Hot Thunder
5 Asking For A Friend
6 Imperfections Prelude
7 Imperfections
8 Don’t Kill Me
9 Jailbreak Story
10 Jumped
11 You Killed The Rattlesnake
12 Have You Ever
13 Waves
14 Stones (Bonus Track on CD)